Impulsinterview | Josef & Ingrid Schiffer

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Josef & Ingrid Schiffer, die beiden Köpfe hinter dem Traditions-Betrieb Trachtenmode Hiebaum, nehmen Wandel und Veränderung sehr gelassen. Die Modebranche ist geprägt von Schnelllebigkeit und Kreativität. Ob lebenslange Stilsuche oder saisonales Trendbewusstsein - jede/r interpretiert Mode für sich.

So fehlte es den beiden auch während des Covid-Lockdowns nicht an Einfallsreichtum und man wandelte die Trachtenmanufaktur kurzfristig in eine Masken-Fabrik um. Wir haben das innovative Paar in der Schneiderei getroffen und mussten schmunzeln, als sie uns erzählten, dass sie sich einst beim legendären Maskenball in Kirchberg kennenlernten…

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Ihr habt euch mit der Vulkanlandtracht einen Namen gemacht und seid seit mehr als 30 Jahren im Mode- und Trachtengeschäft tätig - als großer Arbeitgeber in der Region beschäftigt ihr 35 Personen. Was genau wird in Studenzen produziert?
Wir sind eine Trachtenmanufaktur und produzieren exklusive und authentische Tracht, die wir über Großhandel und in unserem Geschäft in Studenzen vertreiben. Alles was es hier an Kleidung zu kaufen gibt, wurde hier produziert.
Eine Fragen für den regionalen Modezar Peppi Schiffer: „Stil ist eine Art zu zeigen wer du bist, ohne sprechen zu müssen.“ Wie stehst du zu diesem Zitat von Rachel Zoe? Hast du deinen Kleidungsstil schon einmal verändert?
Meine Erkenntnis in dieser Hinsicht ist reifer geworden. Bei den meisten Personen ändert sich der Kleidungs-Stil im Laufe der Zeit einige Male. Auch bei mir ist/war das so (von sportiv, zu klassisch oder leger).
Wie lässt sich die gereifte Erkenntnis nun zusammenfassen?
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Trachten von heute müssen Regionalität und Ursprung widerspiegeln können und im Stilmix funktionieren. Den Stil-Faux-Pas gibt es somit nicht mehr, weil alles miteinander kombinierbar wird.

— Peppi Schiffer

Woher kommt diese Weisheit?
Das bringt das Alter und die Erfahrung. Aber im Gegensatz zu Ingrid habe ich nie Schneider gelernt, sondern bin Betriebswirt und bin viel auf Messen unterwegs. Ich musste immer genau hinhören, was der Markt will und wo Nachfrage ist. Um möglichst viele Zielgruppen abzudecken haben wir mehrere Marken kreiert, die für unterschiedliche Kunden passen.
Was trägt ein Peppi Schiffer am liebsten?
"Jeans kombiniert mit einen Trachten-Sakko. Das ist auch gleichzeitig die tägliche Arbeitskleidung."
— Peppi Schiffer
 
 
Secound-Hand-Läden quillen über. Kleidertauschbörsen werden abgehalten. Man scheint in einem „Zuviel“ von Kleidung zu schwimmen. Wie erklärt ihr euch dieses Phänomen? Gibt es bei euch regelmäßig neue Kollektionen? Steht Qualität vor Quantität? Oder erkennt ihr sogar einen Trend zur Maßanfertigung und Individualisierung?
Der Trend zur Individualisierung wurde Anfang 2020 enorm spürbar. Und um jetzt nach dem Lockdown das Geschäft wieder ordentlich in Schwung zu bringen, bemühen wir uns natürlich, den Kunden jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Es ist allerdings sehr schwer hier den richtigen Mittelweg zu finden. Wir verfolgen das Motto Qualität anstatt Menge, aber Mode unterliegt leider einem schnellen Saisonrhythmus.
Wie wäre es mit einem Baukastensystem?
Vor 10 Jahren haben wir die NOOS (Never out of Stock)-Kollektion auf den Markt gebracht, das war eine Art Baukastensystem. Diese Stücke sind zeitlos klassisch. Hier haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Kunden nach circa 5 Jahren gesättigt sind. Aber das Tolle an Tracht ist, dass sie an sich schon ein Baukastensystem ist und man mit dem richtigen Stoffmix schon viel Abwechslung und Frische in den eigenen Kleidungsstil bringen kann.
Beim Essen wird Regionalität und die genaue Herkunftsangabe immer wichtiger. Wie ist das in der Mode? 
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Die Herkunft wäre ein wichtiges Thema für uns als regionaler Anbieter, aber noch wichtiger wäre es, wenn die Kunden dementsprechend selektieren würden. Leider dominiert die Kaufentscheidung noch immer die Suche nach dem tiefsten Preis.

— Peppi Schiffer

Man findet beim Einkaufen aber fast keine „Made in Austria“-Etiketten. Worin seht ihr die Gründe?
Bei unserer Kleidung findest du sie, weil wir eine der wenigen Produzenten in Österreich sind und hier fertigen. Kleine Schneiderbetriebe mit 1 bis 2 MitarbeiterInnen sind in den letzten Jahren wieder häufiger geworden, doch einen Mittelbetrieb, wie unseren, findet man nur noch selten. Noch weniger Auswahl gibt es bei den Zulieferern. In Österreich gibt es zum Beispiel nur noch einen Baumwolldrucker und drei Webereien, die für uns Auflagen fertigen können. Heimische Produktion ist mit unseren Nebenkosten fast nicht mehr leistbar. Es bedarf einer großen Portion Idealismus, wenn man sich in dieser Branche eine Manufaktur aufbauen beziehungsweise erhalten will.
 
 
Die Corona-Pandemie hat globale Lieferketten offengelegt. War das auch in eurem Unternehmen spürbar? Woher kommen eure Stoffe und Handelswaren?
"Covid-19 hat uns im Handel und Verkauf sehr betroffen, allerdings weniger als die globalen Handelsketten - da wir unsere Rohstoffe ausschließlich aus Österreich oder Europa beziehen."
— Peppi Schiffer
Haben die Pandemie-Maßnahmen auch euer Unternehmen getroffen? Wenn ja, wie seid ihr damit umgegangen?
Mit der Covid-19 Pandemie mußten wir die vorgegebenen Maßnahmen einhalten und schlußendlich auch die Kurzarbeit nutzen. Aber wir haben Mund-Nasen-Schutz-Masken mit unseren Trachenstoffen produziert. Zu Spitzenzeiten wurden hier 1.500 Masken am Tag produziert. Eine schräge Zeit. Um das liefern zu können, haben Ingrid und ich in der Nacht selber zugeschnitten.
Habt ihr einen Onlineshop?
Wir haben natürlich unsere regionale Tracht schon seit einigen Jahren mit unseren Online-Shop gekoppelt – aber die wirkliche Stärke ist unsere Beratung und Service im Geschäft.
Was wünscht ihr euch für die Zukunft und für Trachtenmode Hiebaum?
Wir wünschen uns zufriedene Kunden und keine Corona-Krise mehr!